Cafe Central
Gilmstraße 5
Wissenswert
Das erste Kaffeehaus am Platz des heutigen Central eröffnete am 14. September 1876 als "Café Grabhofer". Das Jahr 1848 hatte in Tirol zwar keine Revolution gebracht, zu gesellschaftlichen Veränderungen kam es trotzdem. Die Kaffeehauskultur war eine davon. Hier traf sich die gehobene Bürgerschaft. Zeitungen waren nach der Zensur der metternich´schen Ära in Österreich ein Teil des Alltags geworden. Im Central traf man sich, um über Politik und Aktuelles zu diskutieren. Wie heute befand sich auch damals direkt gegenüber eine Bank. Finanzdienstleister und modernes Caféhaus bildeten wohl ungeplant eine moderne, für die Zielgruppe der gehobenen Bürgerschaft passgenaue Symbiose.
Kaffee war bis dahin kein Alltagsgetränk gewesen, sondern ein teures Kolonialgut. Der Konsum von Kaffee stand symbolisch Pate für einen neuen, bürgerlichen Arbeitsethos und Lebensstil. Lange Zeit war Wein das Alltagsgetränk der Massen gewesen. Auch wenn der Wein im Mittelalter nicht besonders stark war, trübte er doch die Sinne. In der Arbeiterklasse waren Bier und billige Spirituosen im 19. Jahrhundert beliebt und problematisch gleichermaßen geworden. Wer auf sich hielt, hielt sich davon fern. Kaffee hingegen machte wach und leistungsfähig und begünstigte die neuen Tugenden der Arbeitsamkeit und des Fleißes. Der willige katholische Untertan, der für seinen Herrn in der Landwirtschaft arbeitete, wurde in Städten wie Innsbruck mehr und mehr vom arbeitsamen und kritischen, im Kaffeehaus Zeitung lesenden Bürger abgelöst.
Nach dem Tod des Hausgründers Johann Grabhofer, verwalteten seine Tochter und deren Mann das Lokal. Als auch sie 1891 verstarb, erstand Leopold Eck das Caféhaus und gab ihm den Namen Café Central. Nur ein Jahr später eröffnete im selben Gebäude in den ungenutzten Stockwerken darüber das gleichnamige Hotel. 1896 verkaufte Eck das Gebäude an den damaligen Pächter des Lokals, Franz Kosak. Unter finanziellem Druck schenkte Kosak erstmalig auch Bier aus, um die Gästeschicht zu erweitern.
In der Belle Epoque vor dem Ersten Weltkrieg war das Central eines der vielen lebendigen Zentren des Stadtlebens. Studenten, Soldaten, Industrielle, Bürger und Durchreisende trafen sich hier, um in angenehmer Atmosphäre zu diskutieren, zu lesen und zu feiern. Caféhäuser waren mittlerweile zum Standard in der Alltagskultur in den Städten der Donaumonarchie geworden. Egal wo man sich befand zwischen Innsbruck im Westen und Czernowitz im Osten des Riesenreiches, man konnte sich darauf verlassen, einen Bahnhof, ein Hotel und ein Caféhaus mit deutschsprachigem Personal und ähnlicher Speisekarte und Einrichtung vorzufinden. Das Hotel Europa und das Central waren zum Eichmaß der Kultur des Habsburgerimperiums geworden.
1919 wurde das Caféhaus in der Nachkriegszeit zuerst von Josef Falkner in ein Depot für die Weine seines Weingutes in Tramin, später als Bürogebäude in einen Teil der Commerzbank verwandelt, bevor es unter Falkners Führung 1928 als Gastbetrieb wiedereröffnete. Neben Cafe und Hotel eröffnete der umtriebige Gastronom mit dem Falknerkeller im Untergeschoß auch eine Weinstube nach Südtiroler Vorbild. Hier entstand eine der ersten Gaststätten Innsbrucks, die den Namen Nachtklub verdiente. Das Untergeschoß des Hotels wurde schnell zu einem beliebten Treffpunkt mit zweifelhaftem Ruf, wie man diesem Artikel im Allgemeinen Tiroler Anzeiger vom 8. Juni 1928 entnehmen kann.
Am 17. März ereignete sich eine aufregende Schießerei in dem bekannten Innsbrucker Weinlokal „Falknerkeller“. Der 37jährige Bundesbahnangestellte Johann Raggl aus Arzl bei Imst hatte in einem Anfall von Eifersucht seinen Revolver gegen seine im genannten Lokal als Kellnerin beschäftigte ehemalige Geliebte Marie Amonn abgegeben. Nur durch das Dazwischenkommen eines Freundes verfehlten die Schüsse ihr Ziel.
In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Central unter französischer Besatzung zum "Comptoir Francais" und als französische Gaststätte benutzt. Der Falknerkeller bewarb schon seine gastronomischen Güter und die ungewöhnlich lange Öffnungszeit mit einem originellen Slogan in den Innsbrucker Nachrichten.
Falknerkeller´s Osterwein muß so gut wie ehdem sein.
Bitte alte Leu zu fragen, wie er war in Vorkriegsjahre…
Mitternacht wir täglich sperren, bitten wir uns zu beehren.
1954 gingen Hotel, Cafe und Keller wieder an Falkner über. Am Tag vor der Eröffnung im neuen Design stand in den Innsbrucker Nachrichten diese Anzeige zu lesen: Ein Schiff mit Innsbrucker Piraten landet am 1. Juli auf der bisher unbekannten Schatzinsel im Falknerkeller! Kommen Sie mit! Josef Falkner / Isolde Sterzinger. Falkner brach mit der Tradition und verzichtete auf die Einrichtung im typischen Stil der Tiroler Stube zu Gunsten eines kreativeren Konzeptes. Die einer Hafenkneipe nachempfundene „Seeräuberburg“ sorgte für Abwechslung im Innsbrucker Nachtleben der Nachkriegszeit.
Nach dem Tod Falkners erwarb 1967 die Sparkasse das Central. 1980 wurde aus dem Falknerkeller der Club Central. Sieben Jahre später ging es an den Bauunternehmer Fröschl, der das traditionsreiche Haus unter Beibehaltung seines besonderen Charmes renovieren ließ. Die Ära der Nachtgastronomie in der Gilmstraße neigte sich allerdings dem Ende zu.
Heute kann man im Central angenehme Atmosphäre, guten Kaffee, Kuchen und österreichische Kleinigkeiten genießen. Das neobarocke Interieur hat die diversen Renovierungen des Gebäudes gut überstanden, auch die Ausstattung erinnert noch an die gute, alte Zeit, als sich die Wiener Kaffeehauskultur dazu entschloss, auch in Tirol heimisch zu werden und die Provinzstadt Innsbruck auf den Standard der kakanischen Donaumonarchie zu erheben.
März 1848... und was er brachte
Das Jahr 1848 nimmt einen mythischen Platz in der europäischen Geschichte ein. Die Hotspots waren zwar nicht im abgeschiedenen Tirol, sondern in den großen Metropolen wie Paris, Wien, Budapest, Mailand oder Berlin zu finden, auch im Heiligen Land hinterließ das Revolutionsjahr aber kräftige Spuren. Im Gegensatz zum bäuerlich geprägten Umland hatte sich in Innsbruck ein aufgeklärtes Bildungsbürgertum entwickelt. Aufgeklärte Menschen wollten keine Untertanen eines Monarchen oder Landesfürsten mehr sein, sondern Bürger mit Rechten und Pflichten gegenüber einem Staat. Studenten und Freiberufler forderten politische Mitsprache, Pressefreiheit und Bürgerrechte. Arbeiter verlangten nach besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen. Die Allmacht der Kirche wurde in Frage gestellt.
Im März 1848 entlud sich in vielen Städten Europas dieses sozial und politisch hochexplosive Gemisch in Aufständen. In Innsbruck feierten Studenten und Professoren die neu erlassene Pressefreiheit mit einem Fackelzug. Im Großen und Ganzen ging die Revolution im gemächlichen Tirol aber ruhig vonstatten. Von einem spontanen Ausbruch der Emotionen zu sprechen wäre verwegen, der Termin des Zuges wurde wegen Schlechtwetter vom 20. auf den 21. März verschoben. Es kam kaum zu antihabsburgischen Ausschreitungen oder Übergriffen, ein verirrter Stein in ein Fenster der Jesuiten war einer der Höhepunkte der alpinen Variante der Revolution von 1848. Die Studenten unterstützten das Stadtmagistrat sogar dabei, die öffentliche Ordnung zu überwachen, um so dem Monarchen ihre Dankbarkeit für die neu gewährten Freiheiten und ihre Treue zu zeigen.
Die anfängliche Begeisterung für bürgerliche Errungenschaften wurde in Innsbruck schnell von deutschnationalem, patriotischen Rausch abgelöst. Am 6. April 1848 wurde vom Gubernator Tirols die deutsche Fahne während eines feierlichen Umzugs geschwungen. Auch auf dem Stadtturm wurde eine deutsche Tricolore gehisst. Während sich Studenten und Konservative bei gesellschaftlichen Themen wie der Pressefreiheit nicht einig wurden, teilte man die Abneigung gegen die italienische Unabhängigkeitsbewegung. Innsbrucker Studenten und Schützen zogen mit Unterstützung der k.k. Armeeführung ins Trentino und
Die Stadt als Heimat vieler Italienischsprachiger wurde zur Arena dieses Nationalitätenkonflikts. In Kombination mit reichlich Alkohol bereiteten anti-italienische Gefühle in Innsbruck mehr Gefahr für die öffentliche Ordnung als die nach bürgerlichen Freiheiten. Ein Streit zwischen einem deutschsprachigen Handwerker und einem italienischsprachigen Ladiner, eigentlich beide Tiroler, schaukelte sich dermaßen auf, dass es beinahe zu einem Pogrom gegenüber den zahlreichen Betrieben und Gaststätten von italienischsprachigen Tirolern gekommen wäre.
Als es in Wien auch nach dem März nicht aufhörte zu brodeln, floh Kaiser Ferdinand im Mai nach Tirol. Innsbruck war wieder Residenz des Kaisers, wenn auch nur für einen Sommer. Folgt man den Presseberichten aus dieser Zeit, wurde er hier von der Bevölkerung begeistert empfangen.
"Wie heißt das Land, dem solche Ehre zu Theil wird, wer ist das Volk, das ein solches Vertrauen genießt in dieser verhängnißvollen Zeit? Stützt sich die Ruhe und Sicherheit hier bloß auf die Sage aus alter Zeit, oder liegt auch in der Gegenwart ein Grund, auf dem man bauen kann, den der Wind nicht weg bläst, und der Sturm nicht erschüttert? Dieses Alipenland heißt Tirol, gefällts dir wohl? Ja, das tirolische Volk allein bewährt in der Mitte des aufgewühlten Europa die Ehrfurcht und Treue, den Muth und die Kraft für sein angestammtes Regentenhaus, während ringsum Auflehnung, Widerspruch. Trotz und Forderung, häufig sogar Aufruhr und Umsturz toben; Tirol allein hält fest ohne Wanken an Sitte und Gehorsam, auf Religion, Wahrheit und Recht, während anderwärts die Frechheit und Lüge, der Wahnsinn und die Leidenschaften herrschen anstatt folgen wollen. Und während im großen Kaiserreiche sich die Bande überall lockern, oder gar zu lösen drohen; wo die Willkühr, von den Begierden getrieben, Gesetze umstürzt, offenen Aufruhr predigt, täglich mit neuen Forderungen losgeht; eigenmächtig ephemere- wie das Wetter wechselnde Einrichtungen schafft; während Wien, die alte sonst so friedliche Kaiserstadt, sich von der erhitzten Phantasie der Jugend lenken und gängeln läßt, und die Räthe des Reichs auf eine schmähliche Weise behandelt, nach Laune beliebig, und mit jakobinischer Anmaßung, über alle Provinzen verfügend, absetzt und anstellt, ja sogar ohne Ehrfurcht, den Kaiser mit Sturm-Petitionen verfolgt; während jetzt von allen Seiten her Deputationen mit Ergebenheits-Addressen mit Bittgesuchen und Loyalitätsversicherungen dem Kaiser nach Innsbruck folgen, steht Tirol ganz ruhig, gleich einer stillen Insel, mitten im brausenden Meeressturme, und des kleinen Völkchens treue Brust bildet, wie seine Berge und Felsen, eine feste Mauer in Gesetz und Ordnung, für den Kaiser und das Vaterland."
1848 überließ Ferdinand den Thron dem jungen Franz Josef I. Im Juli 1848 kam es in Wien in der Hofreitschule zur Abhaltung einer ersten parlamentarischen Sitzung. Eine erste Verfassung wurde in Kraft gesetzt. Der Reformwille der Monarchie flachte aber schnell wieder ab. Das neue Parlament war ein Reichsrat, es konnte keine bindenden Gesetze erlassen, der Kaiser besuchte es Zeit seines Lebens nie und verstand auch nicht, warum die Donaumonarchie als von Gott eingesetzt diesen Rat benötigt.
Die zart in Gang gesetzte Liberalisierung nahm in den Städten trotzdem ihren Lauf. Innsbruck erhielt den Status einer Stadt mit eigenem Statut. Das Innsbrucker Gemeinderecht sah ein Bürgerrecht vor, das zwar an Besitz oder die Abgabe von Steuern gebunden war, jedoch den Angehörigen der Gemeinde gewisse Rechte gesetzlich zusicherte. Das Heimatrecht konnte durch Geburt, Verehelichung oder außerordentlicher Verleihung erworben werden und verlieh zumindest den männlichen Volljährigen das Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Geriet man in finanzielle Notlage, so hatte man das Anrecht auf eine Grundversorgung durch die Stadt.
Am 2. Juni 1848 erschien die erste Ausgabe der liberal und großdeutsch gesinnten Innsbrucker Zeitung, der obiger Artikel zur Ankunft des Kaisers in Innsbruck entnommen ist. Die zuvor abgeschaffte Zensur wurde in Teilen wieder eingeführt. Herausgeber von Zeitungen mussten einigen Schikanen der Obrigkeit unterziehen. Zeitungen durften nicht gegen Landesregierung, Monarchie oder Kirche schreiben.
"Wer durch Druckschriften andere zu Handlungen auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, durch welche die gewaltsame Losreißung eines Theiles von dem einheitlichen Staatsverbande... des Kaiserthums Österreich bewirkt... oder der allgemeine öster. Reichstag oder die Landtage der einzelnen Kronländer... gewalttätig stört... wird mit schwerem Kerker von zwei bis zehn Jahren Haft bestraft."
Nachdem Innsbruck 1849 Meran als Landeshauptstadt abgelöste hatte und somit auch endgültig zum politischen Zentrum Tirols geworden war, bildeten sich Parteien. Ab 1868 stellte die liberal und großdeutsch orientierte Partei den Bürgermeister der Stadt Innsbruck. Der Einfluss der Kirche nahm in Innsbruck im Gegensatz zu den Umlandgemeinden ab. Individualismus, Kapitalismus, Nationalismus und Konsum sprangen in die Bresche. Neue Arbeitswelten, Kaufhäuser, Theater, Cafés und Tanzlokale verdrängten Religion zwar auch in der Stadt nicht, die Gewichtung wurde durch die 1848 errungenen bürgerlichen Freiheiten aber eine andere.
Die vielleicht wichtigste Gesetzesänderung war das Grundentlastungspatent. In Innsbruck hielt der Klerus, vor allem das Stift Wilten, einen großen Teil des bäuerlichen Grundbesitzes. Kirche und Adel waren nicht steuerpflichtig. 1848/49 wurden in Österreich Grundherrschaft und Untertänigkeitsverhältnis aufgehoben. Abgelöst wurden damit Grundzinsen, Zehent und Robot. Die Grundherren erhielten im Rahmen der Grundentlastung ein Drittel des Wertes ihrer Ländereien vom Staat, ein Drittel wurde als Steuererleichterung gewertet, ein Drittel der Ablöse mussten die Bauern selbst übernehmen. Die Bauern konnten diesen Betrag in Raten innert zwanzig Jahren abzahlen. Die Nachwirkungen sind bis heute zu spüren. Die Nachkommen der damals erfolgreichen Bauern genießen durch den geerbten Landbesitz, der auf die Grundentlastung 1848 zurückzuführen ist, die Früchte des Wohlstandes und auch politischen Einfluss durch Grundstücksverkäufe für Wohnbau, Pachten und Ablösen der öffentlichen Hand für Infrastrukturprojekte.